Pressegespräch Wintertagung 2011

Weichenstellungen für die Landwirtschaft 2020

 

Presseinformation Ökosoziales Forum

Wintertagung 2011: Weichenstellungen für die Landwirtschaft 2020

„Nur wenn es gelingt, die volatilen Agrarmärkte- und –preise zu stabilisieren und den voranschreitenden Klimawandel zu bremsen, wird die europäische Landwirtschaft künftig ihrer Rolle zur Ernährungssicherung und Bereitstellung öffentlicher Güter gerecht werden können“, betont Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar und Präsident des Ökosozialen Forums, zum Auftakt der Wintertagung 2011 in Wien. „Das wachsende Auf und Ab der Preise auf den Agrarmärkten macht es für den einzelnen Bauern immer schwieriger, zu planen und ein vernünftiges Einkommen zu erzielen.“

Seit dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 wird auf den Finanzmärkten massiv mit Agrarrohstoffderivaten spekuliert. Das hat jetzt schon zum zweiten Mal zu einem Höhenflug der Agrarpreise der Märkte geführt. „Die Derivatspekulation bei Agrarprodukten muss Regeln unterworfen werden. Reine Geschäftemacherei auf Kosten der Ernährungssicherung können wir uns angesichts von über einer Milliarde hungernden Menschen weltweit nicht leisten“, fordert der Präsident des Ökosozialen Forums. „Stabilere Rohstoffmärkte würden allen nützen – den KonsumentInnen, den LandwirtInnen, den VerarbeiterInnen und dem Handel.“

Ein weiterer Baustein zur Stabilisierung der Agrarmärkte könne, so Fischler, auch die Schaffung einer eigenen europäischen Agrarbörse sein, als Gegengewicht zur Börse in Chicago und New York.

Weiterentwicklung der GAP

Mit seinen Reformvorschlägen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) habe EU-Agrar-kommissar Ciolos eine gute Basis für eine vernünftige Weiterentwicklung der europäischen Landwirtschaft geschaffen, so Fischler. „Es ist zu begrüßen, dass die Förderungen für die Landwirtschaft noch stärker als bisher an Umwelt- und Klimaschutzkriterien geknüpft werden sollen. Nur so kann es gelingen, die europäische Landwirtschaft ökologischer zu machen. Österreich ist in diesem Bereich schon sehr weit. Dass die Bäuerinnen und Bauern für die Erhaltung der Kulturlandschaft auch dementsprechend bezahlt werden, ist Voraussetzung dafür und soll künftig den EU-BürgerInnen deutlicher als bisher kommuniziert werden“, sagt Fischler. Das Optionenpapier der Kommission zeige Lösungen auf und gäbe den Mitgliedsstaaten u. a. die Möglichkeit, mit nationalen Fonds bei Naturkatastrophen und

Marktzusammenbrüchen stabilisierend einzugreifen. „Voraussetzung für die Weiterent-wicklung der GAP nach 2013 ist aber ein Bekenntnis der Regierungschefs der EU-Mitglieds-staaten zur Landwirtschaft durch die entsprechende Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel.

Wintertagung 2011

Die Reformvorschläge der Europäischen Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und ihre Auswirkungen auf die heimische Land- und Forstwirtschaft stehen im Mittelpunkt der Wintertagung 2011 des Ökosozialen Forums von 14. bis 18. Februar. Das Generalthema lautet: „Unternehmen Landwirtschaft 2020 – Weichenstellungen für die Land- und Forst-wirtschaft.“ Mit insgesamt sieben Fachtagen zu verschiedenen landwirtschaftlichen Frage-stellungen soll die Wintertagung des Ökosozialen Forums innerhalb einer Woche Bäuerinnen und Bauern aus allen Produktionszweigen ansprechen. Neu ist auch ein eigener Fachtag für die Gemüsebäuerinnen und Gemüsebauern, einem Sektor mit großer wirtschaftlicher Bedeutung für Österreich. Die Wintertagung des Ökosozialen Forums ist die traditions-reichste und größte Informationsveranstaltung des Agrarsektors in Österreich mit jährlich rund 3000 TeilnehmerInnen. Die Fachtage finden heuer in Wien, St. Pölten, Hollabrunn, Wels, Hatzendorf und Aigen im Ennstal statt.

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Presseinformation Landwirtschaftskammer Österreich

Wlodkowski: Nationale Alleingänge gefährden Zukunft der Landwirtschaft
GAP-Zukunft: Wettbewerbsfähigkeit steigern und Bürokratie abbauen

„Die Neugestaltung der europäischen Agrarpolitik ist darauf auszurichten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Unternehmen gesteigert und nicht durch zusätzliche Auflagen und bürokratische Hürden gebremst wird. Das gilt besonders für nationale Alleingänge: Wenn ein Land EU-weit geltende Umwelt- und Tierhaltungsstandards einseitig verschärft, bürdet es seinen Bauern zusätzliche Kosten auf, die weder Handel noch Konsumenten zu zahlen bereit sind. Auf der einen Seite üben Verarbeiter und Handel einen enormen Preisdruck auf die Bauern aus, auf der anderen Seite drohen Mehrkosten durch neue Vorschriften. Damit die Bauern nicht zwischen diese Mühlsteine geraten, sind EU und Bundesregierung aufgefordert, eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik mit Augenmaß und Realitätssinn zu betreiben“, verlangte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, im Rahmen der Auftaktpressekonferenz zur „Wintertagung 2011“.

Budget muss stimmen

„Die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik bleiben solange unverbindlich, als keine konkreten Zahlen dahinter liegen. Daher wird es darauf ankommen, wie das künftige EU- bzw. Agrarbudget aussehen wird. Wir appellieren an alle politisch Verantwortlichen in Brüssel und Wien, die Weichen für ein zukunftsorientiertes Agrarbudget zu stellen. Und eines muss dabei klar sein: Wer zusätzliche Leistungen der Landwirte einfordert, muss wissen, dass dies nicht zum Nulltarif möglich sein wird. Leistung und Gegenleistung müssen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Anderenfalls wird Europas Landwirtschaft auf Sicht nicht mehr bäuerlich, sondern im industriellen Maßstab betrieben oder die Nahrungsmittel werden überhaupt aus Billigländern importiert. Da muss dann auch klar sein, dass so weder die hohen europäischen Standards, noch die Ernährungssicherung gewährleistet sind“, warnte Wlodkowski vor den Negativfolgen radikaler Budgetkürzungen für die bäuerliche Landwirtschaft und die Konsumenten in Europa.

Spielregeln für Bauern

„Auch die neuen Spielregeln der GAP müssen für und nicht gegen die Bauern formuliert sein. So warnen wir vor einem weiteren Abbau der Marktordnungsinstrumente und werden da von den jüngsten Entwicklungen am Schweinemarkt bestätigt. Schon die Ankündigung eines Markteingriffs durch die private Lagerhaltung hat die Krise spürbar entschärft. Weiters gilt es, durch neue Regeln für die Finanzmärkte schädliche Spekulationen mit agrarischen Rohstoffen zu verhindern. Darüber hinaus halten wir zusätzliche Verschärfungen der Produktionsstandards im Ackerbau und in der Tierhaltung für kontraproduktiv, da sie Bürokratie und Kosten erzeugen und einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe entgegenstehen. Schließlich darf die Europäische Kommission nicht müde werden, ihren Kampf um eine gerechte Verteilung in der Lebensmittelkette couragiert fortzusetzen. Denn nach wie vor leidet die bäuerliche Landwirtschaft unter der Marktmacht der Handelsriesen“, hielt der LK Österreich-Präsident abschließend fest. 

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