Hans-Kudlich-Preise 2010

Festakt zur Preisverleihung

29. November 2010, 16:00 Uhr
Wiener Urania, Dachsaal
1010 Wien, Uraniastraße 1

Informationen zum Preis

In Andenken an den österreichischen Bauernbefreier Hans Kudlich schreibt das Ökosoziale Forum Österreich den Hans-Kudlich-Preis 2010 für besondere Leistungen für den ländlichen Raum aus. Mit dem Hans-Kudlich-Preis werden jene Menschen vor den Vorhang gebeten, die durch ständiges Bemühen das Verständnis der Allgemeinheit für Land- und Forstwirtschaft vertiefen und einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen aufzeigen.

Der liberale Politiker Hans Kudlich gilt als „der österreichische Bauernbefreier" – auch als Bauernbefreier für die tschechischen und polnischen Bauern. Sein Antrag auf Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahr 1848 löste die größte Eigentumsverschiebung aus, die Österreich jemals erlebt hatte. Hans Kudlich wurde 1823 in Schlesien als Sohn wohlhabender Bauern geboren und studierte in Wien Philosophie und Jus. Er nahm aktiv an der Märzrevolution teil, musste aber wegen einer Verwundung vorübergehend in seine Heimat zurückkehren. Dort wurde er als jüngster Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Am 24. Juli 1848 stellte er den Antrag auf „Aufhebung der Untertänigkeitsverhältnisse" und der bäuerlichen Lasten, wie Robot und Zehent. Sein Antrag wurde - gegen seinen Willen abgeändert – vom Reichstag angenommen und am 7. September zum Gesetz erhoben.

Als Teilnehmer an der Wiener Oktoberrevolution 1848 und am pfälzischen Aufstand 1851 wurde Kudlich 1854 in Abwesenheit zum Tod verurteilt; er flüchtete in die Schweiz, wo er Medizin studierte. Kudlich lebte nach seiner Ausweisung ab 1853 mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1917 als Arzt in den USA

Der Hans-Kudlich-Preis wurde erstmals im Jahr 1968 von der „Österreichischen Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik“, der Vorgängerorganisation des Ökosozialen Forums, ausgeschrieben. Der Preis geht auf Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers Karl Schleinzer und des Generalsekretärs der „Österreichischen Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik“, Ernst Brandstätter, zurück.

Der Preis ist mit 2.000,-- Euro dotiert. 2010 werden drei Preise vergeben.

Die PreisträgerInnen 2010 im Porträt

MARIA FORSTNER, Engabrunn in Niederösterreich

Maria Forstner aus Engabrunn in der Marktgemeinde Grafenegg hat mit großem Engagement die umfassende soziale Dorferneuerung in Niederösterreich eine lange Zeit maßgeblich mitgetragen. Durch ihren Einsatz und ihre Vorbildwirkung ist es ihr oftmals gelungen, Verantwortliche und BewohnerInnen für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Dörfer und Gemeinden zu begeistern. Ihr Anliegen ist die soziale Dorferneuerung, die weit über die Fassadenverschönerung von Häusern hinausgeht und dazu anregt, sich als BürgerIn ehrenamtlich im eigenen Wohnort, beispielsweise in der Nachbarschaftshilfe, zu engagieren. Nachhaltige Dorferneuerung umfasst sowohl soziale als auch kulturelle und ökologische Aspekte eines Ortes. BewohnerInnen sollen durch eigene Kraft eine Verbesserung der Lebensqualität im Ort anstreben.

Maria Forstner ist Weinbäuerin und dreifache Mutter von erwachsenen Töchtern. Seit 8 Jahren engagiert sie sich als Obfrau der NÖ Dorf- und Stadterneuerung. Sie leitet auch den Dorferneuerungsverein „Engabrunn Aktiv“ und arbeitet in der Leader AG Kamptal Wagram mit. Maria Forstner ist ständig bemüht, BürgermeisterInnen von neuen Projekten zu überzeugen. Bei zahlreichen Kontakten mit den Ehrenamtlichen von Dorferneuerungs-vereinen, auch an Wochenenden, setzt sie sich auch besonders für kleine Projekte ein. Für sie zählen vor allem der Bottom-Up-Ansatz der Dorferneuerung und die Stärkung des Selbstbewusstseins der Bevölkerung in ländlichen Räumen. Ihr persönliches Engagement und ihre eigenen Initiativen sieht Maria Forstner dabei immer als selbstverständlich an.

Maria Forstner erhält den HANS-KUDLICH-PREIS 2010

für besondere Leistungen, die geeignet sind,

  • das öffentlichen Ansehen und das Selbstwertgefühl der Bevöl­kerung im ländlichen Raum zu heben,
  • die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im ländlichen Raum sowie der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen zu verbessern
  • und das Gedankengut der Ökosozialen Marktwirtschaft in die Praxis umzusetzen.

HEINZ GSTIR, Niederndorferberg in Tirol

Heinz Gstir aus der Gemeinde Niederndorferberg in Tirol hat mit einem besonders hohen Maß an Durchsetzungskraft, die weit über seine berufliche Tätigkeit hinausgeht, die Interessen der Tiroler Bauern vertreten. Lange bevor landwirtschaftliche Bio-Produktionsweise im öffentlichen Bewusstsein verankert war, versuchte er, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Als Obmann der Sennerei Hatzenstädt musste er sowohl unter den Biobauern im Berggebiet als auch beim Handel und in der Wirtschaft harte Überzeugungsarbeit leisten. Heinz Gstir ist es gelungen, u. a. durch die enge Zusammenarbeit mit dem M-Preis-Geschäftsführer Hansjörg Mölk, mit regionalen Produkten regionale Wertschöpfung zu sichern und zu steigern. Durch sein Engagement ist in der Region viel bewegt geworden. Dabei blieb er immer stolz auf seinen Beruf und seine Herkunft als Bergbauer.

Heinz Gstir stammt aus einer Bergbauern-Familie, hat die Landwirtschaftliche Landeslehranstalt in St. Johann Weitau besucht und die Meisterprüfung abgelegt. Ab 1991 übernahm er die Funktion als Obmann der Sennerei Hatzenstädt und führte die vom Zusperren bedrohte Sennerei zurück auf einen erfolgreichen Weg. Ab 2001 war er maßgeblich am Aufbau der Tiroler Bio-Marke „BIO vom BERG“ beteiligt. Das Konzept: Bio-Produkte also solche erkennbar zu machen und so den nötigen Mehrwert für die Biolandwirtschaft zu erzielen. Als Obmann der Genossenschaft Bioalpin wurde ein eigenständiger Weg in einem heiß umkämpften Umfeld gefunden. Gestartet wurde mit 8 Produkten, mittlerweile sind über 80 Produkte im Sortiment, rund 600 Tiroler Bio-Bauern profitieren vom Erfolg.

Heinz Gstir erhält den HANS-KUDLICH-PREIS 2010

für besondere Leistungen, die geeignet sind,

  • das Verständnis der Allgemeinheit für die Land- und Forstwirtschaft zu vertiefen,
  • die harmonische Eingliederung der Land- und Forstwirtschaft in die allgemeine wirtschaft­liche und gesellschaftliche Entwicklung zu fördern,
  • die Lebens- und Arbeitsbedingungen der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen zu verbessern und das Gedankengut der Ökosozialen Marktwirtschaft in die Praxis umzusetzen

ALOIS HEISSENHUBER, München-Weihenstephan in Bayern

Alois Heißenhuber absolvierte das Studium der Agrarwissenschaften sowie Pädagogik und Psychologie. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaues an der Technischen Universität München-Weihenstephan. Die Auszeichnung mit dem Hans-Kudlich-Preis 2010 erhält er vor allem für seine Brückenfunktion zwischen Agrarwirtschaft, -wissenschaft, -technik und Agrarpolitik. Er ist ein begeisterter und guter Lehrer, der immer das Ganze im Blick hat und nicht nur Einzelfragen. Alois Heißenhuber ist kein abgehobener Wissenschafter, sondern versucht in der ihm eigenen pointierten Weise, die Politik, die StudentInnen und die KollegInnen zu überzeugen. Durch seinen Einsatz und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach und verständlich darzustellen, gelingt es ihm, Signale aus dem akademischen Sektor heraus für die Gesellschaft zu formulieren.

Die Arbeitsschwerpunkte von Alois Heißenhuber reichen von der einzelbetrieblichen Ebene bis zu der Verfahrensoptimierung im Produktionsbereich und deren Auswirkungen auf das Ökosystem. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit und Lehrtätigkeit stehen auch die Erarbeitung von Strategien zur Wettbewerbssicherung landwirtschaftlicher Unternehmen, die Analyse agrar- und umweltpolitischer Maßnahmen im Hinblick auf Konsequenzen für den ländlichen Raum und die Ausarbeitung von Empfehlungen für die Agrarumweltpolitik. Alois Heißenhuber ist u. a. Mitglied des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik und des Beirats für Biodiversität und genetische Ressourcen des deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Alois Heißenhuber erhält den HANS-KUDLICH-PREIS 2010

für besondere Leistungen, die geeignet sind,

  • das Verständnis der Allgemeinheit für die Land- und Forstwirtschaft zu vertiefen
  • die harmonische Eingliederung der Land- und Forstwirtschaft in die allgemeine wirtschaft­liche und gesellschaftliche Entwicklung zu fördern,
  • die Lebens- und Arbeitsbedingungen der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen zu verbessern und das Gedankengut der Ökosozialen Marktwirtschaft in die Praxis umzusetzen.

Festakt zur Verleihung der Hans-Kudlich-Preise

Drei PreisträgerInnen erhalten am 29. November 2010 den Hans-Kudlich-Preis für besonderes Verdienste im Bereich des ländlichen Raumes und der Landwirtschaft.

Montag, 29. November 2010, von 17 bis 19 Uhr
in der Urania, Dachsaal, 1010 Wien, Uraniastraße 1

Ablauf des Festaktes:

Eröffnung
Franz Fischler, Präsident des Ökosozialen Forums

Festrede „Was sind die Motoren gesellschaftlicher Entwicklungen?“
Helene Karmasin, Gründerin und Leiterin von Karmasin Motivforschung GmbH, Wien

Vorstellung und Würdigung der PreisträgerInnen

Maria Forstner, Engabrunn (Niederösterreich)
Heinz Gstir, Niederndorferberg (Tirol)
Alois Heißenhuber, München-Weihenstephan (Bayern)

durch

Leopold März, Vorsitzender der Jury für den Hans-Kudlich-Preis, und
Klemens Riegler-Picker, Geschäftsführer des Ökosozialen Forums

Musikalische Umrahmung

Quintbrass

Im Anschluss an die Preisverleihung laden wir zu einem Buffet.

Einladung zum Festakt als pdf

Verleihung der Hans-Kudlich-Preise 2010 29.11.2010, 17 Uhr, Wien (Adobe PDF Datei 255.8 KB)

Fotos Preisverleihung

Gruppenbild aller PreisträgerInnen, 1.Reihe v.l.n.r. Franz Fischler (Präs. des Ökosozialen Forums), Maria Forstner (Preisträgerin), Alois Heißenhuber (Preisträger), Heinz Gstir (Preisträger), 2. Reihe links Klemens Riegler (Geschäftsführer des Ökosozialen Forums), rechts Leopold März (Vorsitzender der Jury für den Hans-Kudlich-Preis)

Verleihung der Urkunde an Maria Forstner durch Franz Fischler

Gruppenbild Verleihung v.l.n.r. Franz Fischler, Klemens Riegler, Maria Forstner und Leopold März

Maria Forstner (Preisträgerin)

Gruppenbild v.l.n.r. Franz Fischler, Heinz Gstir, Klemens Riegler, Leopold März

Gespräch Heinz Gstir mit Klemens Riegler

Heinz Gstir und Maria Forstner

Gruppenbild v.l.n.r. Franz Fischler, Alois Heißenhuber, Klemens Riegler, Leopold März

Gespräch Alois Heißenhuber mit Leopold März

Gruppenbild der PreisträgerInnen v.l.n.r. Heinz Gstir, Maria Forstner, Alois Heißenhuber

Festrednerin Helene Karmasin, Gründerin und Leiterin von Karmasin Motivforschung GmbH, wien

Publikum und PreisträgerInnen

Weitere Fotos können Sie hier online ansehen und downloaden.

Interviews mit den PreisträgerInnen

Interviews mit den PreisträgerInnen im Rahmen der Festveranstaltung geben einen Einblick in die Arbeits- und Lebenswelt der Ausgezeichneten.

Interview Klemens Riegler mit der Preisträgerin Maria Forstner / mp3 (BIN Detei 6.9 MB)
Interview Leopold März mit dem Preisträger Alois Heißenhuber / mp3 (BIN Detei 7.4 MB)
Interview Klemens Riegler mit dem Preisträger Heinz Gstir / mp3 (BIN Detei 6.5 MB)
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